Freitag, 8. September 2017

24-2017: Die Lüge der 24h schnellen Hilfe

Die Wahl des richtigen Pflegedienstes ist nicht einfach. Bei vielen Anbietern ähneln sich die Leistungen. Manchmal ist auch der Ort  oder die Größe des Pflegedienstes entscheidend. Und in einigen Fällen sitzen viele Pflegebedürftige und Angehörige einer großen Versprechung auf, die der rund-um-die-Uhr-Versorgung bzw. Nachtrufbereitschaft eines ambulanten Pflegedienstes.

Wissen Sie, liebe Leser, was eine solche Art der Versorgung wirklich bedeutet? Ein Beispiel:

Nachts, sagen wir mal 2 Uhr, wacht eine ältere Dame auf und verspürt Harndrang. Sie stolpert, fällt hin und liegt auf dem Boden. Mühsam schafft sie es sich zum Telefon zu robben und wählt die Nummer ihres Pflegedienstes oder es existiert ein Notrufknopf. Am anderen Ende wacht die Pflegekraft auf, mitten aus dem dringend benötigten Schlaf gerissen. Sie muss schnell munter werden und sofort die Situation aufnehmen. Bis Sie angezogen und zum Auto gelaufen ist, können gut und gerne 10 Minuten vergehen. Sie fährt als nächstes zur Firma welche nicht selten mindesten 20 Minuten entfernt liegt. Nicht immer sind optimale Bedingungen zur Hilfebedürftigen zu kommen. Wettereinflüsse oder Baustellen sind hinderlich. In der Firma angekommen muss sie die Schlüssel der Gestürzten holen und auf den Dienstwagen umsteigen, 5 weitere Minuten vergehen. Anschließend fährt die Pflegekraft zum Notfall hin, je nachdem wo sie wohnt und wo der Versorgungsort ist, können dafür eben mal zwischen 5 bis 30 Minuten vergehen, bis die Pflegekraft eintrifft. Vor Ort erfolgt eine erste Einschätzung der tatsächlichen Situation und meisten muss ein Notruf an die Rettungsleitstelle erfolgen. Bis dieser eintrifft vergeht noch einmal Zeit. So ein „Rettungseinsatz“ kann statt der üblichen Viertelstunde im schlechtesten Fall viermal so lange dauern, als würde der Notruf sofort verständigt werden. Von einer schnellen Rettung kann nicht wirklich die Rede sein.

Hinzu kommt, dass viele ambulante Pflegedienste ein recht großes Gebiet abdecken. Für unsere Gegend könnte es bedeuten, dass ein Anbieter z.B. in Leuna oder Merseburg sitzt, aber auch in Bad Dürrenberg und Halle eine Versorgung hat. Trotz eines Notfalls haben die Pflegekräfte im Straßenverkehr keine Sonderrechte, sie müssen sich wie jeder andere Teilnehmer an die Verkehrsordnung halten. Gerade nachts, wenn man sowieso schon schlechter sieht, vor allem in der Übergangszeit Frühling, Herbst und Winter bei nassen oder glatten Straßen, muss die Pflegekraft besonders vorsichtig sein. So hat selbst die Witterung noch großen Einfluss auf die Notfallversorgung.

Auf der anderen Seite ist der Pflegedienst, der nach Möglichkeit per Gesetz dazu angehalten ist, wirtschaftlich zu arbeiten. Dies bedeutet wiederrum, dass der Notfalleinsatz in Rechnung gestellt werden muss. Dabei bedeutet „Notfall“ nicht immer gleich Notfall. Der angesprochene Gang zur Toilette an sich, also der Harndrang, könnte bereits als persönlicher Notfall angesehen werden. Wenn der Pflegedienst diesen Einsatz in Rechnung stellt, könnte es für Sie oder Ihren Angehörigen ein sehr teurer Gang zum Klo werden.

Und die Pflegekraft? Sie muss, je nach Lage, auf den Notarzt warten, anschließend zurück zum Büro, Auto abstellen, Schlüssel wegschließen, zum eigenen Auto laufen und nach Hause fahren. An Nachtruhe ist dabei nicht mehr zu denken.

Soll dies alles die hochgelobte Notfallversorgung sein? Mitnichten! Bei einem tatsächlichen Notfall kostet die benötigte Zeit Sie persönlich wichtige Minuten, die Ihr Leben retten könnten.

Deshalb unser rat an Sie, fragen Sie konkret nach wer die Rufbereitschaft nachts abdeckt. Es müssen Fachkräfte sein und nicht gerade wer mal Zeit hat. Außerdem ist schnelle und professionelle Hilfe nur durch kurze Wege erreichbar, wie sieht der Ablauf mit dem eingesetzten Personal aus?

Bereits jetzt sind diese Kriterien kaum noch von ambulanten Pflegediensten leistbar. Nur durch ihre konkrete Nachfrage können Sie sich wirklich absichern, ansonsten leben Sie in einer „Scheinsicherheit“.


Option von Hilfe über Familie selbst bzw. Nachbar, Freunden oder ähnlichen in Betracht ziehen und nicht generell ausschließen.

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