Donnerstag, 21. September 2017

27-2017: Wahlversprechen Pflege - Nachwort

Die Versprechungen der Wahlprogramme klingen wieder einmal fabulös. Mehr Geld, mehr Personal, mehr Akzeptanz und vor allem: Mehr mehr. Alles soll besser werden, bei einigen Parteien findet man dazu ein Konzept, bei anderen eben nicht. Nüchtern betrachtet, gibt es auch in diesem Wahlkampf keine Überraschungen, nur viele Programmschreiber, die sich wahrscheinlich noch nie mit dem Thema Pflege auseinandersetzen mussten. Pflege ist mehr als Windeln wechseln und für eine Aufwertung  des Berufes bedarf es mehr, als nur Geld.

In der Pflege gibt es noch immer massive Probleme mit Diskriminierung. Männer sind nach wie vor in der Ambulanz nicht gern bei Klientinnen gesehen. Pflege ist etwas Intimes. Ältere Damen zieren sich oftmals, von einem Mann angefasst zu werden, Ältere Männer ebenso. Und manch ein Ehepartner sieht es kritisch, wenn ein „fremder“ Mann die eigene Frau berührt und zum Teil auch unbekleidet sieht. Jeder Mensch soll seine persönlichen Wünsche im Bezug auf die Pflege erfüllt bekommen, doch woher soll das Personal dafür kommen?

Ohnehin ist es eine Wunschvorstellung, dass Lohnerhöhung allgemein den Beruf attraktiver macht. Mehr Geld bedeutet gleichzeitig mehr Abgaben. Zudem benötigt eine adäquate Bezahlung mehr Geld von den Kranken- und Pflegekassen. Diese finanzieren sich aus den Sozialabgaben, also den Lohnnebenkosten. Schütten die Kassen mehr Geld aus, können die Pflegeeinrichtungen mehr auszahlen. Dies kostet den Kassen allerdings wiederrum nicht gerade wenig. Um es zu finanzieren steigen zwangsläufig die Lohnnebenkosten aller. Im Endeffekt gibt es wieder weniger netto vom brutto. Wir sind selbstverständlich für eine bessere Bezahlung, wir möchten eben nur auf die Folgen dessen aufmerksam machen.

Eine individuelle Pflege erfordert viel Zeit und demzufolge Personal. Eine rund-um-die-Uhr Versorgung ist ambulant kaum möglich. Was die Politik gerne vergisst, Pflegekräfte sind auch nur Menschen, die Zeit für sich und ihre Familie benötigen. Es ist einfach unrealistisch alle Versprechungen abzugeben, ohne wirklich zu wissen, wie die Pflegebranche funktioniert. Die Politik suggeriert Möglichkeiten, die in unserer Wirtschaft nur gegen Bares meist reibungslos funktionieren können oder anders gesagt, mit den Versprechungen geben sie gleichzeitig die Verantwortung ab und schaden damit einer ganzen Branche. Wissen Sie, liebe Leser, was eine Nachtrufbereitschaft wirklich bedeutet? Dazu verfassten wir erst einen eigenen Beitrag. Hier der Link dazu:



Abseits von den Hauptproblematiken sind weitere große Themen die Quartiersversorgung und eine barrierefreie Umgebung. Sollten Sie einmal das Vergnügen haben und das Wort „barrierefrei“ lesen, hinterfragen Sie ganz genau, ob es sich dabei vielleicht nicht nur um „barrierefrei (laut Gesetz) handelt. Denn laut Gesetz bedeutet dies mindestens 2 cm Schwellen.


Unabhängig des Bundeswahlkampfes haben wir auf lokaler Ebene schon viel erlebt. Jeder Mensch mit Parteizugehörigkeit, unterscheidet sich von seinem Parteikollegen, falls es also in Ort A jemanden gibt, der sich partout querstellt, gibt es vielleicht im Nachbarort B jemanden der gleichen Partei, der die Meinung und Sichtweise teilt. Wir wollten Ihnen mit unserer kleinen Serie nur die Ansichten der Bundesparteien wiedergeben, doch letztendlich entscheiden Sie als Wähler, wer das Ruder für die nächste vier Jahre in die Hand nehmen soll.

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