Montag, 12. Februar 2018

02-2018: Pflege als Belastung - Teil III



Inhaltliche Wiedergabe eines Zitats:

„Demenz und Alzheimer sind Volkskrankheiten. Kaum eine Familie wird nicht davon betroffen sein, sei es durch die Erkrankung an sich oder als pflegende Angehörige. Demenzkranke brauchen einfach Zeit, brauchen jemanden, der sich um sie kümmert. Wenn die Pflege nicht zu bezahlen ist, dann muss man den Alten und Pflegebedürftigen halt sagen, dass sie zu viele sind... Die Alten sind uns zu teuer.“

Die Sätze des ersten Absatzes sind Originalausschnitte aus einem Interview des Jahres 2013. Das Interview führten damals tagesschau.de und Claus Fussek, einer der bekanntesten Pflegeexperten Deutschlands.

Im Kern trifft es aber genau das Problem, nämlich das die Pflege als Wahlkampfthema viel zu unattraktiv ist. Natürlich rühmt sich die große Koalition mit der Einführung der Pflegegrade und die damit einhergehende Beachtung von Demenzkranken, aber bedenken Sie dabei eine Sache: Die Pflegezusatzversicherung wurde im Jahr 1995 eingeführt, die Pflegegrade im Jahr 2016 beschlossen. Das die Politik 21 Jahre dafür gebraucht hat, zeigt deutlich das Desinteresse. In dieser Zeit Waren die Parteien CDU/CSU, FDP, SPD und Grüne in verschiedenen Konstellationen an der Regierungsmacht, den Löwenanteil trugen dabei CDU/CSU, SPD und FDP.

Demenz ist ein Tabuthema, niemand möchte die Verantwortung bei Entscheidungen tragen, egal wie hart sie auch sein mögen. Als Krankheit ist sie vielschichtig und kein dementer Mensch gleicht dem anderen. Meist bestimmen dabei jedoch alte, seit Jahrzehnten bestehende Routinen den Alltag, wie der Weg zum Bäcker oder Weg zu Freunden und Bekannten. Fatal kann diese Routine werden, wenn demenziell Erkrankte stationär untergebracht sind und in einem Pflegeheim ihr neues zu Hause haben. Von einem Moment zum anderen kann es vorkommen, dass sie plötzlich in ihre alte Wohnung oder ihr altes Haus wollen. Und auf einmal sind sie verschwunden, unbeobachtet von den Pflegern. Die Polizei startet kurz darauf ein Großaufgebot und sucht nach den Vermissten. Mit Glück findet dieser sich wieder ein, unverletzt, nur leicht verwirrt.

Wie soll man also verfahren, wenn man diese Situation zukünftig vermeiden möchte? Medikamente zur Ruhigstellung sind ein beliebtes Mittel. Erst im April diesen Jahres haben die großen Tageszeitungen darüber berichtet. Aufgedeckt wurde es durch den AOK-Pflegereport. Die Risiken dabei scheinen für die Verantwortlichen nicht allzu groß zu sein, immerhin beteiligen sich Ärzte und Pflegerschaft gleichermaßen daran. Auf der einen Seite, die andere Seite zeigt überarbeitete Pflegekräfte, die am Rand des Kollapses stehen und so manchmal die einzige Möglichkeit sehen, etwas Entlastung in den Arbeitsalltag zu bringen. Diejenigen die pflegen, sind meist auch diejenigen mit eigener Familie, mit Kindern und (pflegebedürftigen) Eltern. Die Kraft den Spagat zwischen Arbeit und Familie zu finden erfordert immer mehr und mehr Anstrengung. Viele können nicht mehr leben, sie überstehen einfach nur noch ihren Tag.

Andere Möglichkeiten, wie man human mit demenziell Erkrankten umgehen kann müssen in den Vordergrund rücken.


Quellen:





http://www.sueddeutsche.de/politik/demenzkranke-mit-tabletten-ruhiggestellt-1.3452833

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